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Badr Hari

Er ist marokkanischer Herkunft und hat es bis ganz nach oben geschafft. Wer bei einer Veranstaltung, bei der Badr Hari gekämpft hat dabei war, der hat die Atmosphäre gefühlt, wenn er heraus kommt. Die Menge tobt und schreit. Obwohl vieles um ihn herum sehr kontrovers war und nicht alles, was er tat, sauber war, mögen ihn die Massen sehr. Sein Gefängnisauffenthalt oder Körperverletzungen außerhalb des Rings werden schnell vergessen, wenn er vor dem Kampf aus der Umkleide kommt, die Massen begrüßen ihn jubelnd.

Wenn die Anzahl der Fans auf facebook eine Anzeige der Beliebtheit ist, dann ist er in der absoluten Spitze und liegt weit vor Wanderlei Silva, Jon Jones oder Muay Thai Legende Buakaw.

Das hat er sich aber auch verdient – er kämpft wie kaum ein Anderer.

Angefangen hat alles in Amsterdam im „Sitan Gym“, wo der 7jährige Badr Hari zum Training kam. Später als Teenager wechselte er zu „Chakuriki Gym“, eine der weltweit bekanntesten Kampfsportschulen. Die Schule wurde gegründet von Thom Harinck. Thom ist in der Welt von Muay Thai und Kickboxen sehr bekannt. Nicht nur, dass er einige Organisationen wie zum Beispiel World Muay Thai Association gegründet hat, er gilt  auch als einer der besten Trainer der Welt. Einige Weltmeister, die von ihm trainiert wurden sind Gilbert Ballantine, Branco Cikatic und Peter Aerts.

Seine Familie war nicht wohlhabend und sie hatten es nicht einfach. Mit 17 hatte Badr nicht einmal eine Krankenversicherung. Nicht einmal der Weg zum Zahnarzt war ohne Probleme möglich. Sport war sein einziger Ausweg. Und kämpfen konnte er wirklich. Durch seine Entscheidung dafür, die Schule zu verlassen, hat er sich 100% auf das Kämpfen konzentrieren können.

Im Jahr 2005 wechselte er zu Simon Rutz’s „Showtime Team“ und wird seit dem von Mike Passenier trainiert. Es scheint aber, dass sein Verhältnis mit Thom einige ungeklärte Momente hat. In einem Interview über einen Kampf gegen einen anderen Kämpfer, den Thom Harinck trainierte, sagte Badr: „ Ich habe eigentlich gegen Thom gekämpft. Den echten Gegner habe ich nicht mal gesehen“.

In einem Land zu leben, aber eine andere Abstammung zu haben, ist nie einfach. Man befindet sich sozusagen zwischen zwei Welten und man gehört zu keiner vollständig dazu. So muss es auch Badr gehen. Dieses Gefühl kulminierte als ihn das niederländische Publikum nach seinem Kampf gegen Stefan Leko ausbuhte. Er traf die Entscheidung, ab jetzt für Marokko anzutreten.

Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass sein Talent gleichzeitig ein Fluch war. Badr war kaum in der Lage seine Gefühle und seine Aggressionen im Zaum zu halten.

Zweimal in seiner Karriere trat er einen Gegner, der bereits am Boden war, mit dem Fuß. Sehr unsportlich. Später erklärte er, er wisse nicht was da los war. Als ob eine  gewisse Macht, die Aggression, die Kontrolle über ihn übernimmt. Er war selbst geschockt. Nach dem zweiten derartigen Vorfall Mal verabschiedete er sich für 7 Monate vom Sport. Er lebte in Isolation in Marokko und versuchte, sein inneres Gleichgewicht zu finden.

Alles in allem ein toller Kämpfer, ein sehr talentierter Sportler, aber jemand, der seinen eigenen Weg noch nicht wirklich gefunden hat. Vielleicht resultiert auch einiges aus Unzufriedenheit, aus Angst zu verlieren und zu versagen, aus der Angst, wieder ein so schweres Leben führen zu müssen oder einfach aus Unfähigkeit, sich selbst unter Kontrolle zu halten. Oder vielleicht hat es auch ganz andere Gründe, die weniger mit Ihm selbst aber mehr mit seiner Umgebung verbunden sind. Fakt aber ist, dass  Badr Hari jeden Kampf sehr persönlich nimmt. Er hat keine Distanz zu dem Geschehen im Ring. Das ist das, was ihn im Kampf so gefährlich macht. Allerdings wird es mit den Jahren für Badr Hari immer schwerer. Eine Sportkarriere – gerade im Umfeld des Kampfsportes – dauert nicht besonders lange. Und wenn sie zu Ende ist, wird es oft schwer Fuß zu fassen.

   

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