Ein verborgenes Paradies

Serbien, 70% des Landes mit Bergen bedeckt sind. Einige davon sind bis zu 2300 m hoch. Die Meisten sind aber zwischen 400 m und 1000 m u.M. hoch.

Richtig, das macht das Land zu einem Paradies für Wanderer und Mountainbiker.

Dieses Land hat kein Meer und war somit noch nie ein beliebtes Urlaubsziel für einen heißen Sommer. Dazu kommen die lange Herrschaft des Kommunismus, der Krieg im ehemaligen Jugoslawien sowie die Nato-Bomben-Angriffe im Streit um den Kosovo. Alles das hatte zur Folge, dass das Land Serbien bis jetzt im Verborgenen blieb. Das ist auch der Grund dafür, warum es hier heute unheimlich viel zu entdecken gibt.

Serbien liegt im Süden Europas und gehört zu den ärmsten Ländern Osteuropas. Mit über 10 Millionen Einwohnern stellt es aber einen sehr attraktiven Markt dar. Das haben auch viele internationale Unternehmen entdeckt und sind jetzt auf Expansionskurs Richtung Serbien. Takko, Deichmann, C&A und Metro sind einige Unternehmen, die dort bereits sehr gut dort etabliert sind. Politische Stabilität, viele gute Arbeitskräfte sowie ein gutes Wirtschaftsklima machen das Land sehr attraktiv.

Wenn man sich aber das Land in Google Earth anguckt, so stellt man sehr schnell fest, dass mindestens 70% des Landes mit Bergen bedeckt sind. Einige davon sind bis zu 2300 m hoch. Die Meisten sind aber zwischen 400 m und 1000 m u.M. hoch.

Richtig, das macht das Land zu einem Paradies für Wanderer und Mountainbiker.

Da die Infrastruktur in den Bergen noch nicht gut entwickelt ist, sind sogar sehr viele Wege in den Bergen Schotter- und Waldwege.  Genauso wie es das Herz eines Mountainbike Fahrers am liebsten hat.

Für unsere erste Mountainbike-Tour wollten wir etwas mehr über der Geschichte und Kultur des Landes erfahren, also erstellten wir eine Tour, die neben den tollen MTB-Routen auch diese Elemente beinhaltete.

Unsere Tour begann eigentlich einen Tag eher als geplant. Wir haben uns allem am späten Nachmittag in Novi Sad, Serbien, am 22.08.2013 getroffen. Eine spontane Stadt-Tour mit der Besichtigung der berühmten Festung in Petrovaradin hat uns auf den kommenden Tag eingestimmt. Nach einem guten Frühstück am Tag danach ging es dann zum Kloster „Studenica“.

Einpacken der Fahrräder

Die Fahrräder waren schnell eingepackt und wir fuhren los. Vor uns lagen etwa 350 km. Da wir aber viele Stops geplant hatten, rechneten wir mit etwa 5-6 Stunden Fahrt.

Kragujevac

See Gruza

Zuerst haben wir eine kurze Besichtigung in Kragujevac und am  See Gruza gemacht. Anschließend kamen wir nach Kraljevo. Es ist absolut empfehlenswert in einem der zahlreichen Floß-Restaurants, die sich direkt im Fluss befinden, zu Mittag zu essen. Wir entschieden uns für „Die Königin von Ibar“. Das Restaurant hat sehr gutes Essen und reichliche Portionen zu äußerst günstigen Preisen.

Ibar, ein schneller Fluss, ideal für Rafting

„Kraljica Ibra“, sehr günstig und äußerst lecker

Nach Kraljevo führte uns der Weg durch die Schlucht von Ibar. Bereits hier haben wir einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns erwartete, erhalten. Wunderschöne Berge, glasklare Flüsse und Bäche sowie jede Menge Grün.

Festung Maglic

Eine kleine Wanderung haben wir an der Festung „Maglic“, die man auch als kleine Stadt bezeichnen könnte, gemacht. Diese mittelalterliche Stadt wurde im 13. Jahrhundert auf einem hohen Berg, der an drei Seiten durch den Fluss umgeben ist, erbaut. Um bis nach oben zu kommen braucht man gute 30 Minuten. Der Anstieg ist ziemlich anstrengend, da es sehr steil nach oben geht. Jedes Jahr wird hier von der Festung bis zur Stadt Kraljevo, im Sommer „Veseli Spust“ organisiert. Es ist eine Bootsfahrt, bei der jeder mit jedem erdenklichen Boot mitmachen kann. Der Fluss Ibar schafft stellenweise sogar 27 km/h, das garantiert einen riesigen Spass bei dieser Bootsfahrt.

„Veseli Spust“, 2013 waren es über 20.000 Teilnehmer

Anschließend erreichten wir die Gästequartiere des Klosters Studenica.

Gasthaus Kloster Studenica

Das Gästehaus befindet sich direkt neben dem Kloster. Das Haus, das Restaurant und die Zimmer sind schlicht eingerichtet aber dennoch sehr gemütlich und sehr gepflegt.

Zimmer im Gasthaus des Klosters

Die Sachen waren schnell im Zimmer  verstaut. Bevor wir aber für die erste Tour starteten, haben wir uns das Kloster angeschaut. Die erste Besichtigung war zwar nur kurz, wir konnten aber bereits einige interessante Kleinigkeiten entdecken.

Kloster Studenica

Geschichte hinter jedem Stein

Die Fahrräder waren schnell bereit und es konnte los gehen. Bereits am Anfang kündigte sich an, was auf uns zukam: schnelle Flüsse und steile Berge.

Schnelle Flüsse

Steiler Anstieg

Fast 6 km lang ging es steil bergauf. Nur am Anfang konnten wir fahren, aber bereits nach den ersten 500 m war es unmöglich. Weitere 6 km mussten wir fast die ganze Zeit über schieben. Nur ab und zu war das Fahren möglich. Während wir die wunderschöne Natur genossen, wurden wir immer erschöpfter, freuten uns aber schon auf den Weg zurück der fast komplett bergab führen würde – down hill mit fast 20% Gefälle.

Verschnaufpause bevor es wieder runter geht

Und überall Berge

Als wir mit der Fahrt bergab anfingen, fühlten wir uns wie Kinder. Kilometerlang bergab zu fahren ohne in die Pedale zu treten und das in einem wahnsinnig schnellem Tempo –  das hat richtig Spaß gemacht!

Wie der im Kloster angekommen, nahmen wir das Abendessen zu uns und gingen sehr erschöpft schlafen. Wir ahnten schon was am folgenden Tag auf uns zu kommen würde, denn 1000 Höhenmeter sind kein Kinderspiel.

Um 06:00 am nächsten Morgen waren wir schon bereit zur Abfahrt.

Am Anfang war die Landschaft ähnlich wie am Tag zuvor. Sie wurde allerdings immer wilder. Und in dieser wilden Natur sah man doch immer wieder Spuren der Zivilisation. Manchmal etwas veraltet, aber immerhin.

Briketts werden hier noch immer nach alter Art erstellt.

Die erste Etappe führte uns bis zur „Donja Isposnica“. Ein altes Haus hoch in den Bergen. Die Mönche kommen noch immer dort hin um zu meditieren und zu beten.

Donja Isposnica Svetog Save

Wie überall gibt es auch hier eine Quelle mit Trinkwasser.

Quelle mit Trinkwasser

Die zweite Etappe hatte „Gornjaisposnica“ zum Ziel. Der Anstieg war sehr hart.  An das Radfahren konnten wir nicht einmal denken. Sogar das Fahrrad zu schieben war sehr schwer und stellenweise sehr problematisch, da die Wege dort sehr eng sind.

Ziegenwege führen bis ganz nach oben.

Gornjaisposnica Svetog Save

Wir haben es letztlich aber geschafft. Wir kamen bis ganz nach oben, dort wo die Mönche die Abgeschiedenheit heute noch suchen. Und das mit dem Fahrrad. Hier hat das keiner vor uns gemacht.

Der Weg zurück war ebenfalls sehr anstrengend und verlangte sehr viel Konzentration. Aber es ging bergab und wir haben beinahe die ganze Zeit über fahren können. Ein wahnsinniger Abstieg.

Den Rest des Tages schauten wir uns das Kloster genauer an. Spätnachmittags war unsere Tour vorbei und wir machten uns auf den Rückweg zu unserem Ausgangspunkt.

   

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