Erholungskur bei „Aktiv mit Spaß“ in Dubai

Als ich am 17. Mai in Dubai angekommen bin, war ich eine 67 jährige Frau, die von ihrem Leiden stark gekennzeichnet war. Wegen Polyarthrose, besonders Gonarthrose im fortgeschrittenen Stadium, plagten mich Knieschmerzen, Schulterschmerzen und Rückenschmerzen. Außerdem litt ich an Asthmabronchiale, musste Cortison nehmen, zweimal täglich inhalieren und zweimal täglich Viani- Disk benutzen. So rein medizinisch.

Mein Zustand aber war elend. Da ich kaum gehen konnte und stark hinkte, wurde ich innerhalb der Flughäfen im Rollstuhl transportiert (ich habe einen Behindertenausweis, 75% Behinderung!). Als Herr Pavic mich am Flughafen in Dubai abgeholt hat, konnte ich gehen nur indem ich mich bei ihm eingehackt habe, also mit seiner Hilfe, und das nur langsam ohne dabei zu sprechen. Sprach ich noch beim Gehen, blieb ich ohne Luft und musste so lange stehen bleiben bis ich genug Luft geholt hatte. In meiner Brust brodelte es und ich hustete sehr stark. Ohne Schmerzmittel konnte ich es nicht aushalten, also hatte ich in meinem Gepäck eine beträchtliche Menge an verschiedenen Medikamenten mitgenommen. Nicht einmal eine Stufe konnte ich hoch kommen, ohne dass ich mich festhielt  oder an die Wand gestützt habe. Zu dieser dreiwöchigen Kur in Dubai habe ich mich entschieden weil mir mein Orthopäde, als die Lösung meines Problems, eine Knieoperation (künstliches Kniegelenk einbauen) vorgeschlagen hat. Das habe ich abgelehnt. Mir wurde klar, dass ich vieles in meinem Leben verändern muss, um aus dieser Situation herauszukommen, vor allem aber die  Einstellungen zu meinem Körper und die Lebensweise, die ich bis dahin führte. Ich bin früh am morgen, etwa um zwei Uhr, angekommen und Herr Pavic ließ mir bis Sonntag Zeit mich an die Zeitverschiebung und das Klima zu gewöhnen. An diesen zwei Tagen haben wir sehr intensive und ausführliche Gespräche über meinem Zustand geführt und die Schwachstellen analysiert, sodass wir mein körperliches und seelisches Befinden genau abschätzen konnten. Auf Grund dessen wurde ein Fitnessplan für mich bestimmt.

Am Sonntag haben wir meinen Tagesablauf und Übungsplan erarbeitet und sofort mit der Durchführung des Fitnessprogramms angefangen. Mir ging es darum, meine schlaffen Beinmuskeln zu stärken, um mich besser bewegen zu können, wie auch Arm- und Schulter- bzw. Rückenmuskulatur zu stärken um meine Körperhaltung und Armbeweglichkeit zum Besseren zu verändern. Um das zu erreichen fing ich an mit täglichen morgendlichen Spaziergängen und  am Heimtrainer Fahrrad fahren zu üben, Eigengewichtübungen zu machen und zu Schwimmen. Am Anfang fiel es mir recht schwer, mich an diesen Plan zu halten.

Da es in Dubai sehr warm ist, stand ich schon um 5 Uhr auf, um ab 5:30 bis 6:00 spazieren zu gehen. Ab 7:00 waren 7 Minuten Fahrradfahren angesagt, danach eine Viertelstunde Pause und dann die Eigengewichtübungen.

Erst als ich mit diesen einfachen Übungen anfangen sollte fiel mir auf was ich alles NICHT kann. Um Bauch-, Oberschenkel- und Unterschenkelmuskeln zu stärken sollte ich Übungen mit dem Ball machen. Das war wirklich eine einfache Übung: Den Ball zwischen den Füßen halten und die Beine in den Knien angewinkelt hoch heben, ein paar Sekunden hochhalten und wieder herabsetzen. Ich aber konnte meine Beine nicht zwei Millimeter von dem Boden hoch heben! Die zweite Ballübung war: mit dem Ball zwischen den Füßen die Beine ausstrecken und hochheben was genauso schlecht bzw. nicht ging wie die erste Übung. Für die Stärkung der Arm- und Schultermuskeln übte ich mit den Hanteln je 0,5 kg. schwer.

Diese Übungen waren mit dem Atem kombiniert, so dass ich gleichzeitig auch die Atmungsmuskeln stärkte. Jede Übungseinheit machte ich fünfmal und der gesamte Übungsblock dauerte etwa 10 Minuten. Nach dem Frühstück ab 9 Uhr ging ich zum Schwimmbad um zu schwimmen. Ich liebe Schwimmen und dachte hier wird es leicht sein. Nun, ich konnte nicht mehr als drei Kreise schwimmen und aus dem Pool konnte ich ohne Hilfe gar nicht herauskommen. Die letzte Stufe war für mich zu hoch! Ich sollte dreimal die drei Kreise machen und zwischendurch mich in der Sonne ausruhen. Meistens habe ich dafür 1 Stunde gebraucht. Nachmittags bin  ich wieder Fahrrad gefahren, habe Eigengewichtübungen gemacht und bin geschwommen. Und ich habe ein Tagebuch über mein Befinden, meine Übungen, und meine Überlegungen geführt.

Am 25. Mai habe ich in mein Tagebuch eingetragen: Am 24.05.2013 (Freitag) bin ich mit Melanie einkaufen gegangen. Drei Stunden sind wir durch das Einkaufszentrum gegangen und ich machte problemlos mit. Ich brauchte mich nicht an ihr festzuhalten, ging alleine, ohne dabei zu hinken und habe mich ihrem normalen Tempo angepasst. Unterwegs haben wir uns unterhalten. Ich hatte keine Atemschwierigkeiten und kein Husten. Ich steige jetzt  problemlos aus dem Pool heraus, gehe die drei, vier Stufen hoch, ohne mich festhalten zu müssen. Ich habe keine Schulter- oder Knieschmerzen, kein Husten und leide nicht an Luftnot. Und ich nehme keine Schmerzmittel. Ich bin schmerzfrei!!!

Natürlich, sobald ich eine Übungseinheit ohne Schwierigkeiten machte, haben wir die Anzahl der Wiederholungen oder die Dauer der Übungen erhöht. So ging ich ab dem 25. Mai jeden Morgen 3,5 bis 4 km morgens spazieren und zwar in einem normalen Schritttempo. Ich fuhr 10 Minuten Fahrrad, wiederholte Eigengewichtübungen je 10 Mal die Übung, ich konnte jetzt meine Beine mit dem Ball hoch heben und schwamm dreimal 10 Kreise im Swimmingpool. Ich fühlte mich sehr wohl, physisch wie auch psychisch, sogar so wohl, dass ich eines Nachmittags im Park meine Fähigkeiten glatt überschätzt habe und angefangen habe wirklich zu laufen. Da bekam ich wieder Knieschmerzen und Herr Pavic verordnete mir einen Ruhetag bzw. keine von meinen sportlichen Aktivitäten auszuführen. Ich befürchtete schon, dass ich alles, was wir erreicht haben, verdorben habe, aber Herr Pavic beruhigte mich und flösste mir wieder Zuversicht ein, dass wir das doch beheben werden. Nach einem Ruhetag und ohne Spaziergang am nächsten Tag ging es mir wieder gut. Ab dem 01.06. fuhr ich Fahrrad zweimal täglich je 13 Minuten, machte alle Übungen zehnmal, schwamm um den Pool dreimal 15 Kreise herum zweimal am Tag und ging 1 Stunde und 15 Minuten spazieren. Und ab dem 06.06. wurde das  Fahrradfahren auf zweimal täglich 15 Minuten erhöht. Der Spaziergang blieb wie er war und zu Eigengewichtübungen sind drei neue hinzugefügt worden: zehnmal eine Stufe hoch und herunter springen, und zwei Wandübungen (so nenne ich sie!). Eine ist: mit dem Rücken an die Wand angelehnt in die Hocke gehen und so, wennmöglich, bis 30 zählend verharren (ich konnte nur bis 15 sec. so bleiben) und die zweite ist: Beine spreizen, mit ausgestreckten Armen die Handfläche auf die Wand legen und dann 10 mal zur Wand gehen, die Arme dabei im Ellenbogen anwinkeln, und zurück- die Arme wieder ausstrecken.

Am 10.06 flog ich als eine ganz andere Frau zurück nach Deutschland. Ich ging auf eigenen Beinen, ganz normal ohne zu hinken und vollkommen schmerzfrei, statt mit dem Rollstuhl gefahren zu werden.

Ich fühlte mich (und sah auch aus) mindestens zehn Jahre jünger. Und ich habe mich fest entschlossen auch zu Hause mit Eigengewichtübungen weiterzumachen, mir ein Heimtrainer-Fahrrad zu besorgen und regelmäßig spazieren und schwimmen zu gehen. Jetzt weiß ich, dass man selbst zu seinem Befinden sehr viel machen kann ohne auf die Ärzte zu warten, dass sie das für ihn tun. Und noch etwas: als Nebeneffekt (das war diesmal nicht mein Ziel!) habe ich 2 Kilo abgenommen.

L. Radtke

   

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