Juice+ und andere Shakes – Pulverdiäten erklärt

Mit Wasser oder Milch umrühren, eine oder mehrere Mahlzeiten damit ersetzen und die Kilos verschwinden von allein. So ähnlich sind die Versprechen der Industrie um die Pulverdiäten. Oft gehen sie sogar noch einen Schritt weiter und preisen die positiven Wirkungen wie zum Beispiel die Stärkung der Immunität, bessere Vitalität, schöner aussehende Haut und viele weitere, ähnliche Aussagen an.

Wenn man seit Jahre an Übergewicht leidet und wenn man unzählige Versuche abzunehmen hinter sich hat, kommen solche Versprechungen wie ein Fels in der Brandung. Man greift nach diesem Strohhalm in der Hoffnung, dass mindestens etwas davon wahr ist und dass man einige Kilos verliert.

Genau diese Verzweiflung und die daraus resultierenden Gefühle sind die wichtigsten Verkaufsmittel für alle Pulverdiäten (Fachbegriff Formuladiäten).

Zusammensetzung der Produkte

Das Gute ist, dass diese Produkte nicht beliebig zusammengesetzt werden dürfen. Die sogenannte Diätverordnung regelt die Mindestmenge von bestimmten Nährstoffen. Diese schreibt vor, welche Mindestmenge an Eiweiß, essentiellen Fettsäuren, Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen eine Tagesration haben muss. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass die Mindestfunktionen des Körpers auf jeden Fall aufrechterhalten werden können sowie dass der Muskelabbau begrenzt wird. Ganz verhindern lässt sich aber Muskelabbau bei einer Diät nicht. Auch die Kalorienmenge pro Ersatzmahlzeit ist reguliert. So ist vorgeschrieben, dass eine Tagesration 800 – 1.200 kcal und eine einzige Mahlzeit 200 bis 400 kcal enthalten muss.

Obwohl die Diätverordnung relativ locker ist, ist sie sehr angebracht und schützt den Verbraucher. Einige Hersteller haben aber einen ausgeklügelten Weg gefunden wie sie diese umgehen. Deren Produkte werden als Nahrungsergänzungsmittel deklariert. Damit sind sie kein Mahlzeitersatz und müssen die Diätverordung nicht befolgen. Als Folge fehlen zum Beispiel in den Tagesrationen sehr wichtige Stoffe

Was jedem klar sein muss ist, dass alle diese Produkte reine Kunstprodukte sind. Deren Rezepturen und sogar einige Zutaten wurden ausschließlich in den Laboratorien hergestellt. Es sind keine Naturprodukte.

Alle auf dem Markt befindlichen Produkte enthalten somit künstliche Aromen, Süßstoffe oder andere künstliche Zusatzstoffe. Um einige zu erwähnen sei Sucralose , das in vielen Produkten genutzt wird genannt. Es ist eine halogenorganische Verbindung, die als Konservierungsstoff genutzt wird. Man findet diese Verbindungen sehr häufig in der Kosmetik, wobei sie in der Naturkosmetik gesetzlich verboten sind. Des Weiteren findet man halogenorganische Verbindungen auch in den Farben, Lacken und Klebstoffen. [2]

Weitere Stoffe, die man in vielen Pulverdiäten findet sind L-Carnitin und Glucomannan. L-Carnitin sollte die Fettverbrennung ankurbeln allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die es belegen würden. Die Nutzung von Glucomannan ist sehr umstritten obwohl die Menge und die Nutzung von der EFSA (Die Europäische Lebensmittelbehörde) zugelassen wurde. Was aber bekannt ist, ist dass Glucomannan ein sehr diszipliniertes Trinken erfordert, da ansonsten Magen- Darm-Beschwerden auftreten können.

Es geht aber noch erschreckender. Die Laboruntersuchungen, die von der Zeitschrift ÖKO-Test durchgeführt wurden [1] haben in den Produkten Almased, OTC Siebenhandl (Modifast) und Aktivkost (Multaben) die höchsten Mengen von Chlorat beziehungsweise Perchlorat gezeigt. Diese Chemikalien können die Aufnahme von Jod in der Schilddrüse blockieren. Das kann zur schweren Erkrankungen sowie schweren Stoffwechselstörungen führen. Die Schilddrüse ist maßgeblich für die Produktion der Hormone, die in unserm Körper sehr viele biochemische Prozesse steuern verantwortlich („Stoffwechselkuren – Gefahr oder Segen„).

Dazu haben diese Laboruntersuchungen in den Pulvern von Almased, Herbalife und Aktivkost gentechnisch veränderte Bestandteile von Sojabohnen nachgewiesen. Mit der Nutzung der gentechnisch veränderten Pflanzen-Bestandteile können weitere Gesundheitsrisiken verbunden werden.

Zum Schluss haben alle pulverbasierenden Produkte einen sehr großen Anteil an Zucker. So zum Beispiel kommen bei Juice+ Produkten zwischen 40% und 50% Kalorien aus Zucker. Die Wirkung von Zucker ist -wenn man abnehmen will – wenig fördernd.

Vermarktung der Pulverdiäten

Die Vermarktung von vielen dieser Produkte kann als aggressiv und oft als irreführend bezeichnet werden. In vielen Fällen ähnelt das Vermarkungskonzept einem Pyramidensystem oder auch einem Schneeballsystem: ein Verkäufer rekrutiert andere Verkäufer und verdient jedes Mal wenn die etwas erwirtschaften. Hierbei geht es um die Menge der Verkäufer und nicht um die Qualität. Die rekrutierten Verkäufer sind meistens Menschen, die keine Qualifikationen im Ernährungs- oder Gesundheitswesen besitzen. Eine schulische oder sogar universitäre Ausbildung um kompetente Beratung leisten zu können fehlt i.R. vollständig.

Das zweite Problem besteht darin dass die genutzten Marketingmaterialien sehr oft irreführende Werbebotschaften und sogar falsche Versprechen beinhalten. Nicht selten werden Traum-Figuren in kürzester Zeit, Gesundheitsverbesserungen oder sogar Heilungen versprochen.

Ein Beispiel der unzulässigen Werbeaussagen wäre die Nutzung von Aussagen einzelner Ärzte mit gesundheitsbezogenen Behauptungen zum Werbezweck. Laut Health-Claims-Verordnung ist dies gesetzliche Verboten. Manche Hersteller wie zum Beispiel Almased Wellness störte es nicht und sie machen es trotzdem. [3]

Weiterhin werden zum Beispiel die Verpackungen nicht genügend ausgezeichnet. Angesichts der möglichen Risiken bei der Nutzung müsste jede Packung einen sehr deutlich platzierten Arzthinweis bzw. einen Hinweis auf ärztliche Begleitung haben. Auch die Kontraindikationen also möglichen Nebenwirkungen sollten deutlich und gut sichtbar dargestellt werden. Die detaillierte Zusammensetzung sowie eine Gebrauchsanweisung sollten ebenfalls auf der Verpackung nicht fehlen. Angaben wie zum Beispiel wie viel man bei einer Diät trinken soll sowie wie lange eine Diät maximal dauern darf, sollten auf jeden Fall ebenfalls auf der Packung zu lesen sein.

Außerdem ist auch ein Hinweis in dieser Art „Ohne ärztlichen Rat darf es nicht länger als drei Wochen verwendet werden.“ ebenfalls gesetzliche Pflicht.

Bei vielen Produkte fehlen aber einige oder sogar alle diese Hinweise.

Für wen sind diese Produkte geeignet?

Viele Ärzte sehen die Nutzung der Formula-Diäten bei stark übergewichtigen Menschen, die aus medizinischen Gründen abnehmen müssen, als eine der möglichen Maßnahmen das Gewicht zu reduzieren. Allerdings setzen sie dabei die Einbindung von medizinisch geschultem Personal voraus.

Formula-Diäten falsch angewendet, können erhebliche Nebenwirkungen haben, etwa Kreislaufstörungen, Verstopfung, Elektrolytverschiebungen oder erhöhten Harn- säurespiegel und sie bedingen ein erhöhtes Risiko für Gallensteinerkrankungen.

Professor Hans Hauner, Ordinarius für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München: “Formuladiäten sind nicht geeignet für Kinder und Jugendliche, schwangere und stillende Frauen, Menschen mit schweren Erkrankungen wie Krebs oder Herzschwäche und viele andere. Daher ist es sehr wichtig, vorher mit seinem Arzt zu sprechen. Selbst wenn nichts dagegen steht, ist eine ärztliche Begleitung sinnvoll, da zum Beispiel Medikamente gegen Bluthochdruck oder Diabetes angepasst werden müssen und verschiedene unerwünschte Wirkungen auftreten können.”

Wie funktionieren die Pulverdiäten?

Meisten läuft die Diät in mehreren Phasen. Am Anfang werden die Mahlzeiten komplett durch die Shakes ersetzt. Da die Shakes entsprechend kalorienarm sind wird bereits hier ggf. ein großes Kaloriendefizit erzeugt.

Danach kommen eigene Gerichte dazu und die Anzahl der durch die Shakes ersetzen Mahlzeiten geht zurück.

Kombiniert mit der empfohlenen körperliche Aktivität wird das Kaloriendefizit weiterhin aufrechterhalten oder sogar verstärkt.

Was kosten die Pulver-Diäten?

Generell gesagt sind diese Diäten sehr kostspielig.

Nennen wir nur einige Preise als Beispiel: Almased Vitalkost kostet 1,60 € pro Portion, Herbalife Formula 1 2,15 € pro Portion und so weiter.

Die Preisspanne reicht von ca. 0,80 € bis 2,50 pro Portion

Man muss aber auch bedenken und sich Fragen stellen, wie lange sollte man so eine Diät machen? Gibt es ein Ende und was passiert danach?

Es kann sicherlich nicht sein, dass man von jetzt bis zum Ende der Tage eine Pulverdiät macht. Kostentechnisch wäre dies kaum zu halten. Über gesundheitliche Risiken wollen wir gar nicht reden.

Wie effektiv sind diese Diäten?

Die Zeitschrift ÖKO-Test [2] hat in deren detaillierter Analyse von 16 verschiedenen Pulverdiäten 12 als “ungenügend”, 3 als “mangelhaft” und nur 1 als “ausreichend” bewertet. [2]

Dabei wurde folgende Produkte detailliert untersucht:

  • Doppelherz Aktiv Diät Shake, Vanille-Geschmack
  • Das gesunde Plus Diät Vitalkost, Vanille
  • Optifast Home Drink Vanille, Portionsbeutel
  • WellMix Diät Vitalkost Vanille, Portionsbeutel
  • Almased Vitalkost
  • Body Attack Diet Shake, Vanilla Flavour
  • Charlotte Eden Stoffwechsel Vital-Drink Vanille-Geschmack
  • Fit + Feelgood Diät, Vanille-Sahne
  • Herbalife Formula 1 Gesunde Mahlzeit, Vanillegeschmack
  • Modifast Weight Loss Program, Vanille, Portionsbeutel
  • Multaben Figur Diät 45% Eiweiß, Vanille Shake
  • Multan Figur-Former
  • Slim System Diät Drink, Vanille Geschmack
  • Slim-Fast! Milchshake-Pulver Vanille Geschmack
  • Xlim Aktiv Mahlzeit
/ Frauen, Vanille Geschmack, Portionsbeutel
  • Yokebe Die Aktivkost Classic

Um über die Effektivität der Pulverdiäten zu urteilen muss man zuerst die Basis dieser und aller anderen Diäten verstehen.

Basis einer Pulverdiät ist die starke Reduktion der zugeführten Kalorienmenge. Da wir weniger aufnehmen als wir verbrauchen entsteht ein Kaloriendefizit und wir nehmen ab.

In den Pulverdiäten genau so wie bei allen anderen Diäten auf der Welt ist das Kaloriendefizit ausschließlich für eine Gewichtsreduktion verantwortlich.

Man muss festhalten, dass bis auf künstliche Zusatzstoffe alle Zutaten der Pulverdiäten auch in den üblichen Nahrungsmitteln vorhanden sind. Somit ist ein Nutzen und Vorteil gegenüber normaler, ausgewogener Ernährung mit frischen Nahrungsmitteln nicht erkennbar. Ganz im Gegenteil. Die chemische Verarbeitung sowie die Zufuhr von künstlichen Zusatzmitteln macht die Nutzung sehr fragwürdig und erhöht die Gesundheitsrisiken.

Wenn man eine Pulverdiät macht, kann man abnehmen. Die Abnahme ist aber nicht durch einen Zusatzstoff im Pulver dieser Produkte verursacht worden. Sie ist ausschließlich durch das Kaloriendefizit zustande gekommen.

Wenn man also an alle diese Zusatzstoffe, mögliche Nebenwirkungen oder Folgen bei deren Einnahme denkt, muss man sich fragen: Ist die Erzeugung eines Kaloriendefizits auf eine andere, gesündere und natürlichere Art nicht sinnvoller?

Wie nimmt man am effektivsten ab?

Die Logik des Abnehmens ist sehr einfach: man muss nur mehr Energie verbrauchen als man durch die Nahrung zuführt.

Wenn man dabei darauf achtet seinem Körper alle notwendigen Nährstoffe zu geben, geschieht der Gewichtsverlust auf eine gesunde Art.

Um anschließend sein Gewicht dauerhaft zu halten, muss man seine Lebensart und damit verbundene Gewohnheiten ändern. Nur dann gibt es keinen Jo-Jo-Effekt.

Damit das Ganze erfolgreich wird, darf man seine innerliche Verfassung nicht vergessen. Nur wenn man seine Einstellungen zum Stress, zum Leben, zum Arbeiten, zur Partnerschaft usw. so geändert hat, dass man im “Gleichgewicht” ist wird man in der Lage sein das Kaloriendefizit über längere Zeit aufrecht zu erhalten.

Wenn man diese innere Ruhe hergestellt hat, wird aus der Diät ein neuer Lebensstil.

Und das ist der Schlüssel zu einem dauerhaften Erfolg.

Quellen:

[1] Öko-Test Magazin, Ausgabe 002_2016

[2] „Du kommst hier nicht rein: Halogenorganische Verbindungen“

[3] Internetseite von Almased Wellness, http://www.almased.de/

[4] „Almased, Yokebe und Co.: Sind Diätpulver und Abnehmpillen schädlich?„

[5] „Die Wahrheit über das Wunderpulver“, Stern

[6] Verordnung über diätetische Lebensmittel (Diätverordnung)

Hinweis:

Um Missverständnisse zu vermeiden: um diesen Artikel zu schreiben wurden nicht nur die von der Zeitschrift ÖKO-Test erwähnten 16 Pulverdiäten sondern auch weitere, wie zum Beispiel die von Juice Plus analysiert.

   

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