Kurzer Erfahrungsbericht

Meine Veränderungen fingen Mitte 2008 an. Keine Angst, Nicht das Abnehmen fing damals an. 🙂
Ich war damals ein starker Raucher, genau gesagt ein Kettenraucher. Durchschnittlich habe ich 1-2 Schachteln geraucht. Dazu war ich aber auch übergewichtig. Allerdings nicht zu viel. Mit 190 cm wog ich um die 108 kg. Mitte 2008 habe ich geschafft, das Rauchen aufzugeben. Als eine unangenehme Nebenwirkung fing ich an zuzunehmen. 3 Jahre später wog ich über 125 kg. Da ich keine Waage besaß, weiß ich nicht genau, wie schwer ich war. Die Waage habe ich erst im August 2011 gekauft, als ich mit dem Abnehmen angefangen habe (allerdings war ich schon etwa eine Woche dabei). Die neue Waage sagte 125,8 kg.
Im August 2011 habe ich förmlich gesehen wie ich immer runder wurde. Mein Gesicht wurde immer größer, mein Hals war immer weniger sichtbar und die Knöpfe an meinen Hemden drohten immer zu platzen und dabei jemanden zu verletzen.
In diesen Momenten habe ich klar erkannt, dass ich ein Problem hatte:

  • ich konnte meine Schuhe kaum binden. Wenn ich es tat, blieb ich sehr schnell ohne Luft, da mein Bauch die Lunge quetschte.
  • ich habe geschwitzt, auch bei der kleinsten Bewegung, in Übermaßen.  Mein Hemd war sogar durch das Unterhemd von den Achselhöhlen bis hin zum Bauchnabel durchnässt. Es roch auch nicht besonders gut.
  • ich fand kaum Hemden in meiner Größe. In musste in die Läden mit Übergrößen gehen.
  • im Flugzeug habe ich meinen Laptop nicht nutzen können, da es kaum Raum zwischen meinen Bauch und dem sich vor mir befindenden Sitz gab.

Die Liste mit den Problemen könnte ich weiter fortsetzen, es gab wirklich viele.
Alle diese Probleme habe ich aber früher nicht gesehen. Ich habe mich selbst belogen, dass ich mich gut fühle und das alles in bester Ordnung ist.
Im August 2011 habe ich sie aber alle erkannt und ich habe mir eingestanden, Problem mit dem Übergewicht zu haben. Dies war ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Schritt, in Richtung Abnehmen.  Ich habe als nächstes angefangen zu überlegen, welche Strategie ich verfolge, um gesund und dauerhaft abzunehmen. Ich merkte aber schnell, nicht in der Lage zu sein, selbst eine Strategie zu entwickeln. Der Grund war einfach Unwissen. Ich wusste nichts über Ernährung, den menschlichen Körper, Stoffwechsel, sportliche Aktivitäten und andere für das Abnehmen wichtige Sachen.
Also hieß die erste Strategie: Lernen wie Zusammenhänge sind und das Gelernte sofort anwenden. Dabei schrittweise vorgehen, und immer kleine Häppchen durcharbeiten. Durcharbeiten bedeutete für mich lernen, eigene Regel aufstellen und sie anwenden.
Hier sind einige Regeln, die ich bereits in der ersten Woche aufgestellt habe:

  1. Klare und regelmäßige Mahlzeiten, morgen gegen 7:00/7:30 Frühstück, Mittagessen gegen 13:00 und Abendessen gegen 19:00. Diese Zeiten sollten beibehalten werden unabhängig von anderen Tagesaktivitäten.
  2. Nach dem Abendessen nichts mehr essen bis zum Frühstück am nächsten Tag.
  3. Was ich esse oder nicht esse ist:
    • Sehr wenig bis gar keine Kohlenhydrate (Brot, Nudeln, Reis …).
    • Sehr kleine Mengen von den verschiedenen Fetten.
    • Wenn Brot, dann nur Vollkorn.
    • Viel frisches Gemüse und zwar mindestens zum Frühstück und Mittagessen.
    • Zum Mittagessen meistens nur Fleisch oder Fisch und gekochtes oder frisches Gemüse oder nur Gemüse ohne Fleisch/Fisch.
    • Wenn Fleisch, dann nur Hähnchen oder Lamm. Schweinefleisch komplett vermeiden.
    • Gemüse nur in Wasser gekocht und entsprechend abgeschmeckt und gewürzt (keine Saucen.)
    • Abendessen als leichtestes Essen am Tag, meistens nur Joghurt, Obst, Gemüse.
    • Keine Süßigkeiten.
    • Wenn ich Lust auf was Süßes verspüre, dann ein kleines Stückchen (2cmx2cm) dunkle Schokolade. Je dunkler umso besser.
    • Kein Zucker, z.B. Kaffee und Tee vollkommen ohne Zucker.
  4. Viel Bewegung. Ich war mir zwar noch nicht sicher welche und wie, aber ich wusste, ohne viel Bewegung würde es nicht funktionieren.
  5. Viel trinken.

Im Laufe der Zeit und so wie ich neue Sachen gelernt habe, kamen andere Regeln dazu.
Neben diesen klaren Regeln, die ich mir aufgestellt habe, war der Kampf mit alten Gewohnheiten sehr wichtig. Vor dem Abnehmen liebte ich es, abends vor dem Fernsehgerät Süßigkeiten zu essen. Da eine der Regeln „nach dem Abendessen nichts mehr essen“ besagte oder eine andere die Süßigkeiten verbietet, stellte sich die Frage wie ich durchhalte, die alte Gewohnheit zu besiegen und die neue Regel zu befolgen. Da ich mich selbst aber nicht als besonders willensstarken Menschen bezeichne, konnte ich mich auf meine Willensstärke nicht verlassen. Meine Strategie hier war, eine solche unerwünschte Gewohnheit durch eine andere, gewünschte zu ersetzen. Die Strategie ähnelt einer Arbeitstherapie. Genau zu diesen Zeiten am Tag, an denen ansonsten die alte Gewohnheit zugeschlagen hat, habe ich andere Aktivitäten durchgeführt. Sie waren bei mir:

  • um das Haus arbeiten (Garten, Umbauarbeiten …)
  • schreiben – ich habe angefangen, alles was ich erlebe oder lerne in einem Tagebuch niederzuschreiben
  • mich bewegen

Der dritte Faktor in meiner Abnehmstrategie war die Bewegung. Da ich früher sehr unsportlich war,  fiel mir dieses Element der Strategie besonders schwer. Weiter erschwerend wirkten meine Komplexe, die mit dem Übergewicht zu tun hatten. Ein Besuch im Fitnessstudio war somit ausgeschlossen. Da ich aber auch körperlich nicht wirklich in der Lage war, Sport zu treiben, musste ich eine besondere Strategie entwickeln.
Zum einen habe ich angefangen, einfachste Aktivitäten, wie zum Beispiel Spazierengehen, zu machen. Dazu habe ich als Teil der „Arbeitstherapie“ absichtlich schwere Arbeiten gewählt, zum Beispiel das Gießen einer Betonplatte.  Dann habe ich meinen alten und nie benutzten Crosstrainer aus dem Keller geholt und fing an, nur ein paar Minuten am Tag darauf zu laufen. Ich habe dann jeden Tag ein bisschen länger gemacht und die Intensität immer ein bisschen erhöht. Als ich einige Kilo abgenommen hatte, fing ich an zu laufen und Fahrradzufahren. Somit war auch die dritte Säule meines Abnehmens aufgestellt.
Nach 2 Monate habe ich mit dieser Strategie volle 30 Kilo abgenommen und bin gerade dabei, weitere 10 abzunehmen.
Ich weiß nicht, ob dieser Erfolg von Dauer sein wird, insbesondere da ich immer noch mit den alten Gewohnheiten sowie mit Lust auf das Essen kämpfe. Es ist immer noch schwer, mich jeden Tag oder besser gesagt fast jede Minuten aufs Neue mich zu motivieren und meine Regeln und Strategien durchzuziehen. Gerade weil es so ist, hilft es mir immer noch darüber mit anderen zu sprechen und auch dadurch von den anderen motiviert zu werden. Diese Unterstützung war und ist für mich sehr wichtig.
Um auch andere, die in einer ähnlichen Situation stecken zu unterstützen, habe ich mich entschieden, mein Tagebuch als Buch zu veröffentlichen. Aber auch unabhängig davon stehe gerne jedem, der den harten Weg des Abnehmens gehen will, gerne zur Seite. Man kann mich über facebook, twitter oder meine Internetseite erreichen.

   

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