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Morgen-Lauf

Es ist sehr früh am Morgen. Der Tag schläft noch und die Stadt wird langsam wach. Ich weiß, draußen ist es noch dunkel und sehr frisch. Meine Träume sind zu Ende und ich bin bereit für die Wirklichkeit. Aber, bevor mich die Wirklichkeit tatsächlich einholt, freue ich mich auf die folgende Stunde. Etwa eine Stunden mit mir selbst, draußen, mit einem einzigen Ziel: laufen.

Ich ziehe die Laufkleidung an. Es handelt sich dabei um enge Laufhose, Unterhemd und Oberteil. Alles aus einem speziellen Material, das die Feuchtigkeit nicht einsaugt und die Winde kaum durchlässt. Darin fühle ich mich bereit, wieder eigene Grenzen zu spüren und vielleicht sogar ein Stückchen mehr aus mir herauszuholen. Pulsmessuhr sowie mp3-Player dazu und ich bin bereit. Bereit, die Stadt zu begrüßen, bereit die Leute zu wecken und bereit für die Begegnung mit mir selbst.

Es ist wirklich dunkel und sehr frisch. Die Musik in meinem Ohr schlägt den Takt und wirkt direkt auf meine Beine. Sie fangen an sich zu bewegen und ich spüre die Kälte um meinen Körper. Mein Gesicht und meine Hände sind besonders empfindlich. Aber bereits nach ein paar Minuten ist die morgendliche Frische nur noch draußen. Wie durch ein Wunder macht sie einen weiten Bogen um mich herum. Meine innere Wärme hält sie weit von mir.

Ich laufe.

An Autos vorbei, an Geschäften, die gerade die Rollladen hochziehen. An Menschen, die zur Arbeit gehen, an Bushaltestellen, an denen die Menschen auf den Bus warten, über eine Brücke, in die dunkle Straße hinein, an einem chinesischen Restaurant vorbei.  Meistens ist mein Kopf dabei leer. Ich denke an nichts. Nur von Zeit zu Zeit kommt ein Gedanke in meinen Kopf. Ich drehe ihn 2-3 Mal um – und er ist weg. Ich habe keine klare Erkenntnis gewonnen, ich habe kein schweres Problem gelöst, ich habe keine neue Idee. Ich laufe einfach.

Nach einer gewissen Zeit spüre ich mein Herz, meine Haare werden nass und ich spüre meinen Schweiß. Manchmal fangen auch einige Muskeln an weh zu tun. Manchmal verspüre ich auch Lust anzuhalten, auszuruhen und weiter zu gehen. Ich tue es aber nicht, ich laufe einfach weiter.

Ich komme wieder an meinen Ausgangspunkt zurück. Ich habe die Runde, die ich mir vorgenommen habe, geschafft. Ich spüre das Leben in meinen Beinen und ich bin froh doch durchgehalten zu haben. Es war ein schöner Lauf. Durch die Leere, die in meinem Kopf während des Laufens herrschte, fühle ich mich ausgeruht und innerlich entspannt. Meine geistigen Energiereserven sind voll. Die Dusche macht den Rest. Einer nach dem anderen werden die Muskeln wieder entspannt und der Schweiß wird durch einen angenehm frischen Geruch weggewaschen.

Ich bin bereit für die Stadt, die Menschen und einen neuen Tag.

   

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