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Nishad ist eingeschlafen

Warum ich am 03.04.2016 den Paris-Marathon für die Kinder aus den Slums von Dhaka, Bangladesch, laufen werde und was mich berührt hat, will ich euch mit einem Buch zeigen.
Das Buch „Slum-Kind“ besteht aus Kurzgeschichten, die zeigen wie ein Kind aus dem Slum die Welt sieht.

„Nishad ist eingeschlafen“, eine Kurz-Geschichte aus dem Buch „Slum-Kind“




Meine Schwester Nishad war noch sehr klein.

Meine Mutter sagte sie war kaum 6 als sie gebissen wurde.

Es gibt sehr viele Hunde bei uns. Meistens verstecken sie sich hinter den Häusern oder Müllhaufen und schlafen den ganzen Tag. Am späten Nachmittag werden sie wach, gehen los und suchen nach etwas Essbarem.

Wenn sie bei uns vor dem Haus waren, haben wir sie immer verjagt. Wenn keiner von uns aufpasste, kamen sie sogar ins Haus.
Einmal haben sie uns den Fisch geklaut. Und wir hatten uns alle so sehr auf das Abendessen gefreut.

Einige Tage bevor Nishad gebissen wurde hatte Papa leere Zementsäcke gebracht. Er hatte Glück.

Während einer Fahrt nach Banani kam er mit seiner Rikscha an einer Baustelle vorbei. Mindestens 10 Zementsäcke hatte er gefunden. Zuhause angekommen legte er sie vor dem Haus ab.

Meine Mama wollte morgen daraus einige Kleider für uns Kinder nähen.
„Nishad! Hol die Säcke bitte rein!“ rief meine Mama.

Nishad ging raus und bückte sich, um die Säcke hochzuheben.

In dem Moment sprang ein schwarzer Hund unter einem der Säcke heraus und biss Nishad in die Hand.

Erschrocken schrie Nishad und rannte zu Mama.

Die Hand war voll mit Blut. Der Biss war richtig tief.

Meine Mutter nahm Wasser und säuberte die Wunde. Danach wickelte sie sie in ein Tuch ein.

In den nächsten 2, 3 Tagen hat sich Nishad über brennen der Wunde beschwert. Es hat sie auch sehr gejuckt.

Dann hat sie sogar noch eine Erkältung bekommen. Ihr Kopf tat weh und sie hatte Fieber. Erbrochen hat sie auch. Weil wir an dem Tag nichts gegessen hatten, kam aber nur eine hellgelbe Flüssigkeit aus Ihrem Mund.

Nishad war sehr sauer. Sie schrie auch. Mama konnte sie kaum beruhigen. Trinken wollte sie auch nicht.

Dann ist Nishad eingeschlafen. Zuerst sagte Mama:
„Schlafen tut Ihr gut! Sie muss sich ausruhen, um wieder gesund zu werden.“

Als sie aber bereits den zweiten Tag nicht aufwachte fing meine Mama zu weinen an. Mein Vater war auch sehr traurig.

Meine Schwester Nishad ist nie wieder aufgewacht.


Ein sehr großes Problem in den Slums von Dhaka stellen die streunenden Hunde dar. Es sind sehr viele und sie vermehren sich unkontrolliert. Meisten sind sie nachts aktiv, ziehen um die Häuser und suchen nach Futter. Nicht selten werden die Menschen und meistens die kleineren Kinder von den Hunden gebissen.
Die katastrophalen Hygienezustände der Slums sowie die häufigen Kämpfe unter den Hunden lassen viele Krankheiten entstehen und sich verbreiten. Eine davon ist Tollwut.

Es gibt keine Zahlen, wie viele Kinder genau jedes Jahr in den Slums von Dhaka an Tollwut sterben.

 

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