Wie war mein erster Halbmarathon?

Um an dem Lauf teilzunehmen flog ich extra von Dubai nach Qatar. Der Grund dafür, warum es gerade diese Veranstaltung sein sollte liegt im geplanten Ablauf meiner Vorbereitung für den ersten Marathon im März. Ich begann mit den Vorbereitungen am 10.10.2013. Um den Fortschritt gut verfolgen zu können habe ich die Vorbereitung in 3 Teile gegliedert. Jeder Teil endet mit einem Laufwettbewerb – der erste war der 10 km Lauf in Abu Dhabi, der zweite der Halbmarathon in Doha, Qatar. Der letzte Abschnitt soll mit einem Marathon in etwa 8 Wochen abgeschlossen werden.

Auf meiner Reise nach Qatar war ich aber nicht allein. Sofija und Mateo wollten am 1 km Lauf teilnehmen. Julian begleitete uns als Unterstützung.

Unser kleines Team machte sich am Vorabend des Laufs auf dem Weg. Der Flug ging von Sharjah, eines der benachbarten Emirate in den VAE, direkt nach Doha. Wir waren etwa 2 Stunden vor dem Flug am Flughafen, mussten aber sehr lange in der Schlange zum Einchecken warten. Als wir dann an der Reihe waren, sagte uns der Schalter-Mitarbeiter, dass der Flug mehrfach bereits ausgebucht sei und wir nicht mitkommen könnten:

„And Sir you are anyway too late“

Kein guter Start, dachten wir. Nach einigen Gesprächen mit dem Verantwortlichen und einigen sehr emotionalen Telefongesprächen fand man 10 Minuten vor dem Abflug einen Weg, uns doch in den Flieger zu lassen.

Nur noch 10 Minuten bis zum Start! Unser erster Lauf fing gerade an. Der leitende Manager gab uns und unserer Sonderbegleitung den Startschuss. Fast im Sprint-Tempo liefen wir los. Die Durchlaufzeit bei der Passkontrolle war sehr gut, den Ganzkörper-Scanner hatten wir innerhalb 2 Minuten erreicht und passiert. Sonderfahrt zum Flugzeug und 30 Treppen in 10 Sekunden. Wir saßen auf unseren Plätzen.

Wir hatten unseren ersten lauf gewonnen.

„ Sorry, but this is my seat“, hieß es 2 Minuten später. Ein gut gebauter (um nicht zu sagen ein großer) Mann, wollte mich freundlich auffordern, seinen Platz, auf dem ich saß, zu verlassen.

Waren alle Wochen der Vorbereitung für den Halbmarathon umsonst? Sollte meine Marathonteilnahme so verhindert werden? Waren alle diese Kilometer pro Woche um sonst? Um 05:30 aufstehen, Schuhe anziehen und egal bei welchen Wetter zum Laufen raus gehen – und alles um sonst?

Ich stehe für keinen auf, ich fliege nach Qatar!!

Die Flugbegleiterin bemerkte meine Entschlossenheit und rettete die Situation.

Die Tür des Flugzeuges ging zu. Wir flogen nach Qatar.

Alle Läufe für Erwachsene gingen um 06:30 los, die Kinder waren um 8 Uhr dran.

Also waren wir bereits um 05:30 dort, um unsere Nummern zu holen und uns vorzubereiten.

Da wir noch kein richtiges Frühstück hatten, bestand unser erstes Essen aus Energy-Riegeln und Traubenzucker.

Ich war aufgeregt – und ich hatte Respekt vor der Distanz. Ein Halbmarathon ist kein Pappenstiel.

Als der Startschuss fiel bewegten sich etwa 1000 Läufer Richtung Startlinie. 10 km -, Halbmarathon- und Marathon – Läufer starteten alle gleichzeitig.

Ich lief mit einem Tempo von 5:55 Minuten pro km los. Nach einem km merkte ich, dass es mir sehr leicht fiel, diese Geschwindigkeit zu halten. Ich lief weiter mit der gleichen Geschwindigkeit. Bis zum 14. km lief ich ohne Probleme mit diesem Tempo und das ziemlich konstant. Bei Kilometer 14 merkte ich, dass mein T-Shirt auf der linken Brust blutig war. Mein Pflaster, das ich auf die Brustwarze geklebt hatte, war ab. Damit scheuerte das T-Shirt die Brustwarze blutig. Das muss schon einige Zeit so gewesen sein, denn es war ziemlich blutig. Ich bemerkte aber keine Schmerzen – bis ich bei km 14 gesehen hatte, dass das T-Shirt blutig war.

Hätte ich nicht nach unten geguckt, hätte ich es wahrscheinlich gar nicht gemerkt und ich hätte wahrscheinlich gar keine Schmerzen gehabt. Ab Kilometer 15 fingen die Schmerzen an, dazu kam die Müdigkeit und es war sehr schwer zu laufen. Meine Geschwindigkeit fiel auf den weiteren Kilometern bis auf 07:30 Min pro km. Die letzten 5 km habe ich mich irgendwie bis zur Ziellinie geschleppt. 02:16:52, die Zeit meines ersten Halbmarathons! Ich war richtig stolz. Ich habe es geschafft. Und ich habe es noch dazu in einer vernünftigen Zeit geschafft. Jetzt ist mir sehr klar: Ich bin auf dem richtigen Weg, ich werde auch einen Marathon schaffen.

Während ich lief waren Sofija und Mateo bereits an der Reihe. Die Strecke für den 1km-Lauf war eine andere. Etwa 300 Kinder waren am Start. Der Veranstalter hatte leider die Startlinie viel zu eng für diese Menge an Teilnehmern gemacht. Nur etwa 3-4 m war die Startlinie breit. So bald der Startschuss fiel, liefen alle los. Das führte dazu, dass viele geschubst wurden und hinfielen. Über diejenigen stolperten dann die anderen und so weiter. Wertvolle Sekunden gingen so verloren. Auch unsere beiden Läufer stürzten leider zu Beginn. Trotzdem schafften Sofija und Mateo den Lauf gut zu beenden. Sofija erreichte mit 03:57 den 6. Platz und Mateo mit 04:57 den 29.

Erschöpft trafen wir uns alle wieder an der Ziellinie. Entspannung war angesagt. Mittagessen, Eisessen, Circus-Land besuchen war angesagt.

Abends ging unser Flieger zurück nach Dubai. Diesmal saßen wir ohne Probleme im Flugzeug. Und noch bevor die Flugzeugtür zu war, schliefen wir alle. Vielleicht haben wir sogar geschnarcht 🙂


   

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