Wie wäre so ein Lauf?

Ich laufe schon seit einiger Zeit und ich lief schon in vielen Ländern dieser Welt. Indien, Thailand, Hong Kong, USA, Polen… Die Liste ist sehr, sehr lang.

Ich habe aber ganze 40 Jahre gebraucht, um zum ersten Mal in meinem Geburtsort zu laufen.  Wir sind früh weggezogen und somit kannte ich die Stadt kaum.

In der Stadt aber, in der ich zur Schule ging, in der ich mich zum ersten Mal verliebte, und in der ich jede Ecke kenne, in dieser Stadt lief ich noch nie.

Manchmal, wenn ich durch andere Städte laufe, den Anblick genieße und das Unbekannte mit Abenteuerlust untersuche, frage ich mich: Was für ein Gefühl wäre es?

Wie wäre es, aus dem Haus zu gehen, in dem man im Winter jeden Tag die Kohleöfen anheizen musste – denn draußen waren es manchmal auch -20°C. Dann am Getränkemarkt „Kod teta Tere“, wo man sich an heißen Sommertagen ein Ledo-Eis holte vorbei.

Durch den Vorgarten des Hauses, in dem ich mich in der 4. Klasse mit Zdravko geprügelt habe und danach weinte, weil ich seine Jacke schmutzig gemacht hatte und keiner da war, der sie sauber machen konnte. Seine Mutter war gerade im Krankenhaus.

Vorbei an der Grundschule, die auch Damir Radman besuchte, der boxen trainierte und von dem wir alle Angst hatten.

Dann am Supermarkt, zu dem ich jeden Morgen – 11 Jahre lang – kam und in der langen Schlange stand, um die für eine Familie bestimmte Menge an Brot und Milch zu bekommen, vorbei.

Und so bis zum Kaffee Zebra, in dem ich viel Zeit vor, nach (und manchmal während) des Unterrichts  im Gymnasium verbrachte.

Die Laufroute bringt mich bis zum Korso, an dem sich jeden Abend die jungen Leute getroffen haben. An der Diskothek „Rupa“ mit Musik aus den 70er und 80er Jahren – und gegen 3 Uhr morgens ein „Burek“ in der Eisdiele nebenbei – vorbei. Bis hin zum Fluss Sava.

Der angenehme Wind bläst immer noch über den Fluss. Der Lauf wäre dort richtig angenehm. Auch wenn es im Sommer wieder bis 35°C würden.

Wie wäre so ein Lauf?

   

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